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Muhammad-bin-Raschid-Raumfahrtzentrum
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Das Muhammad-bin-Raschid-Raumfahrtzentrum (arabisch Ù
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ŰŻ ŰšÙ Ű±Ű§ŰŽŰŻ ÙÙÙ۶ۧۥ, DMG Markaz Muáž„ammad bin RÄĆĄid li-l-FaážÄÊŸ), wegen der englischen Bezeichnung Mohammed Bin Rashid Space Centre im Ausland auch unter der AbkĂŒrzung âMBRSCâ bekannt, ist eine staatliche Einrichtung des Emirats Dubai, die einen groĂen Teil des Raumfahrtprogramms der Vereinigten Arabischen Emirate bestreitet, unter anderem das Astronautenprogramm der VAE und die Marsmission al-Amal. Das Raumfahrtzentrum hat seinen Sitz im Stadtbezirk al-Khwaneej 1 von Dubai, sein Generaldirektor ist seit dem 20. Januar 2022 Salem Humaid al-Marri.cite-ref-salem-1-0[1]
Contents
âą KhalifaSat
âą al-Amal
âą Drohnenprogramm
âą Mondprojekt
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
ââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââââ
Institut der Emirate fĂŒr fortschrittliche Wissenschaft und Technologie
Am 4. Januar 2006 wurde Muhammad bin Raschid al-Maktum nach dem Tod seines Ă€ltesten Bruders Emir von Dubai und VizeprĂ€sident der Vereinigten Arabischen Emirate. Einen Monat spĂ€ter, am 6. Februar 2006, grĂŒndete er per Dekret das Institut der Emirate fĂŒr fortschrittliche Wissenschaft und Technologie (arabisch Ù
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Ű©, DMG MuÊŸassasat ul-ImÄrÄt lil-ÊżUlum wal-Taqniat il-Mutaqadima), wegen der englischen Bezeichnung Emirates Institution for Advanced Science and Technology im Ausland auch unter der AbkĂŒrzung âEIASTâ bekannt. Anders als der Name vermuten lĂ€sst, handelt es sich hier nicht um eine Initiative der Vereinigten Arabischen Emirate, sondern allein von Dubai. Generaldirektor des Instituts wurde Ahmed Obaid al-Mansuri.cite-ref-holmes-2-0[2] Wenn auch in der Selbstdarstellung des Instituts viel von weitreichenden Zielen wie nachhaltiger Entwicklung und dem Aufbau einer Wissensgesellschaft die Rede war, ging es in der Praxis zunĂ€chst nur um Erdbeobachtungssatelliten zur Erlangung von prĂ€zisen geografischen Informationen fĂŒr verschiedene Anwendungen.cite-ref-3[3]
Das Institut war von Anfang an eine Raumfahrtbehörde. Im September 2007 wurde angekĂŒndigt, im folgenden Jahr den Erdbeobachtungssatelliten DubaiSat 1 zu starten; der Satellit sollte Dubai zu einer der weltweit fĂŒhrenden Nationen bei Wissenschaft und Technologie machen. Das Emirat Dubai mit einer Bevölkerung von damals knapp 1,5 Millionen Einwohnern verfĂŒgte jedoch in keiner Weise ĂŒber eine industrielle Basis, um Raumfahrt betreiben zu können. Daher wurde im Mai 2006 ein Vertrag mit der sĂŒdkoreanischen Satrect Initiative GmbH in Daejeon geschlossen,cite-ref-eoportal-4-0[4] eine 1999 von Raumfahrtingenieuren des Korea Advanced Institute of Science and Technology (KAIST) gegrĂŒndete Firma, die auf Kleinsatelliten und Technologietransfer spezialisiert war.cite-ref-holmes-2-1[2] Eine Gruppe von Ingenieuren des EIAST wurde nach Korea geschickt, um an Entwicklung und Bau des rund 200 kg schweren, auf dem SI-200-Bus der Satrec basierenden Satelliten teilzunehmen. Die Bodenstation mit einer Antenne von 11,3 m Durchmesser hinter dem HauptgebĂ€ude des Instituts in Dubai wurde von der kalifornischen Viasat Inc. gebaut,cite-ref-5[5] die Datenverarbeitungssysteme im Kontrollzentrum,cite-ref-6[6] ebenfalls am Hauptsitz des Instituts, wurden von Satrec geliefert.cite-ref-satrec-7-0[7]cite-ref-eoportal-4-1[4] UrsprĂŒnglich war der Start fĂŒr Ende 2008 geplant,cite-ref-holmes-2-2[2] tatsĂ€chlich wurde DubaiSat 1 dann am 29. Juli 2009 von der ISC Kosmotras mit einer ukrainischen TrĂ€gerrakete vom Typ Dnepr vom Kosmodrom Baikonur gestartet.cite-ref-eoportal-4-2[4] Am 21. November 2013 folgte der ebenfalls von Satrec gebaute, auf dem etwas gröĂeren SI-300-Bus der Firma basierende DubaiSat 2. Der Satellit wog mit 300 kg rund 100 kg mehr als sein VorgĂ€nger, seine Kamera hatte eine mehr als doppelt so hohe Auflösung. Der Start wurde wieder von der Kosmotras organisiert, erneut mit einer Dnepr-Rakete, diesmal aber vom russischen Kosmodrom Jasny.cite-ref-8[8]
Muhammad-bin-Raschid-Raumfahrtzentrum
Im Zusammenhang mit der heute unter dem Namen âal-Amalâ bekannten Marsmission, einem von Muhammad bin Raschid al-Maktum initiierten Projekt, grĂŒndete Chalifa bin Zayid an-Nahyan, PrĂ€sident der Vereinigten Arabischen Emirate, am 6. August 2014 mit Bundeserlass Nr. 1/2014 die Raumfahrtbehörde der Emirate. Knapp acht Monate spĂ€ter, am 17. April 2015 grĂŒndete Muhammad bin Raschid al-Maktum per Dekret das Mohammed bin Rashid Space Centre (MBRSC), am folgenden Tag wurde das EIAST per Dekret in das neue Raumfahrtzentrum integriert.cite-ref-unoosa-9-0[9] Hierbei handelte es sich um einen reinen Verwaltungsvorgang. Das Muhammad-bin-Raschid-Raumfahrtzentrum war keine neu geschaffene Einrichtung, sondern nur ein neuer Name fĂŒr das alte Institut; die alten GebĂ€ude mit dem Kontrollzentrum und der Parabolantenne im Hof wurden weiterbenutzt. Im Juni 2015 ernannte Muhammad bin Raschid al-Maktum seinen zweitĂ€ltesten Sohn Hamdan bin Muhammad al-Maktum, den Kronprinzen von Dubai, zum Leiter des Raumfahrtzentrums, im Juli 2015 wurde Hamad Obaid al-Mansuri, Generaldirektor der Regulierungsbehörde fĂŒr Telekommunikation der Vereinigten Arabischen Emirate und stellvertretender Leiter der Raumfahrtbehörde der Emirate, zusĂ€tzlich zum Vorsitzenden des Direktorats des Raumfahrtzentrums ernannt.cite-ref-10[10]cite-ref-11[11] Sein Stellvertreter wurde Yousef Ahmed asch-Schaibani. Generaldirektor blieb Yousuf Hamad asch-Schaibani, der diesen Posten bereits seit 2013 beim EIAST innegehabt hatte.cite-ref-business-12-0[12]
Am 6. Dezember 2021 wurde asch-Schaibanis bisheriger Stellvertreter Salem Humaid al-Marri,cite-ref-13[13] der vor der GrĂŒndung des Raumfahrtzentrums die Entwicklung von DubaiSat 1 und DubaiSat 2 geleitet hatte und spĂ€ter unter anderem fĂŒr das Astronautenprogramm zustĂ€ndig war,cite-ref-14[14] mit Wirkung vom 20. Januar 2022 zum neuen Generaldirektor ernannt.cite-ref-salem-1-1[1] Yousuf Hamad asch-Schaibani wurde stellvertretender Vorsitzender des Direktorats des Raumfahrtzentrums.cite-ref-15[15] Anders als asch-Schaibani setzt al-Marri nicht nur auf die USA und ihre VerbĂŒndeten als Partner fĂŒr Raumfahrtmissionen, sondern er nahm auch Kontakt mit der Nationalen Raumfahrtbehörde Chinas auf. Am 14. Juni 2022 besprach er mit Wu Yanhua, dem stellvertretender Direktor der Behörde, die Möglichkeiten fĂŒr eine Zusammenarbeit bei Erdbeobachtungssatelliten sowie der Mond- und Tiefraumerkundung,cite-ref-16[16] was drei Monate spĂ€ter zu einem Kooperationsabkommen bezĂŒglich des zweiten emiratischen Mondrovers fĂŒhrte (siehe unten).cite-ref-rover2-17-0[17]
KhalifaSat
Bereits 2013 wurde das damals auf vier Jahre angelegte Projekt zur Entwicklung von Dubais drittem Erdbeobachtungssatelliten gestartet. Anders als bei seinen beiden VorgĂ€ngern, die komplett in Korea gebaut worden waren, sollte nun die Endmontage des zunĂ€chst âDubaiSat 3â genannten, 330 kg schweren Satelliten in Dubai stattfinden. Im Februar 2014 stellte das damalige EIAST die PlĂ€ne fĂŒr den mittlerweile zu Ehren von Chalifa bin Zayid an-Nahyan in âKhalifaSatâ umbenannten Satelliten auf einer Raumfahrtkonferenz in Singapur öffentlich vor.cite-ref-18[18] Parallel dazu wurden am Sitz des EIAST in Dubai zunĂ€chst einige kleinere ReinrĂ€ume und Laboratorien eingerichtet, die im November 2014 fertig waren. Der groĂe Reinraum fĂŒr die Endmontage des Satelliten war Ende 2015 einsatzbereit.cite-ref-khalifa-19-0[19]cite-ref-20[20]
UrsprĂŒnglich war angekĂŒndigt, dass KhalifaSat zu 100 % von Ingenieuren der Vereinigten Arabischen Emirate entwickelt werden wĂŒrde,cite-ref-unoosa-9-1[9] eine Fiktion, die vom Muhammad-bin-Raschid-Raumfahrtzentrum noch bis 2020 aufrechterhalten wurde. In Wahrheit kamen nur 30 % der Ingenieure aus den Emiraten, 70 % waren Koreaner.cite-ref-21[21] In einer ersten Phase reisten die Ingenieure des EIAST Anfang 2014 nach Daejeon, um zusammen mit ihren Kollegen von der Satrec GmbH, die erneut den Auftrag erhalten hatte, an den EntwĂŒrfen zu arbeiten. Wie DubaiSat-2 basierte KhalifaSat auf dem SI-300-Bus der Satrec und hatte mit 330 kg ein Ă€hnliches Gewicht. Am 15. Oktober 2014 waren die Entwurfsarbeiten abgeschlossen, und im Februar 2015 kehrte das EIAST-Team nach Dubai zurĂŒck.cite-ref-khalifa-19-1[19]
In einer zweiten Phase schickte die Satrec GmbH die in Korea gebauten Komponenten fĂŒr den Bus, die Elektrik und die Optik des Satelliten sukzessive nach Dubai.cite-ref-satrec-7-1[7] Im FrĂŒhjahr 2015 hatten die EIAST-Ingenieure einen Prototyp des GehĂ€uses zusammengebaut und begannen, die restlichen Komponenten einzufĂŒgen, um an diesem Modell mittels ausfĂŒhrlicher Tests das Konzept des Satelliten zu ĂŒberprĂŒfen.cite-ref-khalifa-19-2[19] Diese sogenannte Critical Design Review war im Dezember 2015 abgeschlossen. Bereits im MĂ€rz 2015 hatte das EIAST mit Mitsubishi Heavy Industries einen Vertrag ĂŒber den Start des Satelliten mit einer TrĂ€gerrakete vom Typ H-2A im ersten Quartal 2018 geschlossen.cite-ref-unoosa-9-2[9] TatsĂ€chlich fand der Start vom Tanegashima Space Center dann am 29. Oktober 2018 statt. Die Systeme fĂŒr Empfang und Verarbeitung der Bilder des Erdbeobachtungssatelliten wurden von Satrec aus Korea geliefert,cite-ref-satrec-7-2[7] als Antenne wurde die alte 11,3-m-Parabolantenne der Viasat Inc. aus Kalifornien verwendet. Dubai verfĂŒgt ĂŒber keine eigenen Trackingstationen; die Bahnelemente fĂŒr die 3-achsig stabilisierten Satelliten liefert das North American Aerospace Defense Command (NORAD) als sogenannte Two Line Elements (TLE).cite-ref-khalifa-19-3[19]
| | DubaiSat 1 | DubaiSat 2 | KhalifaSat |
|---|---|---|---|
| Hersteller | Satrec, Korea | Satrec, Korea | Satrec, Korea |
| Bus | SI-200 | SI-300 | SI-300 |
| Masse | 200 kg | 300 kg | 330 kg |
| Orbit | SSO (680 km; 98,1°) | SSO (600 km; 97,1°) | SSO (613 km; 97,1°) |
| Auflösung | panchromatisch 2,5 m multispektral 5 m | panchromatisch 1 m multispektral 4 m | panchromatisch 0,75 m multispektral 3 m |
| Schwadbreite | 20 km | 12 km | 12 km |
| Bordspeicher | 64 Gbit | 256 Gbit | 512 Gbit |
| Downloadgeschwindigkeit | 30 Mbit/s | 160 Mbit/s | 320 Mbit/s |
| Startdatum | 29. Juli 2009 | 21. November 2013 | 29. Oktober 2018 |
| Startplatz | Kasachstan Kosmodrom Baikonur | Russland Kosmodrom Jasny | Japan Tanegashima Space Center |
| TrÀgerrakete | Ukraine Dnepr | Ukraine Dnepr | Japan H-2A |
al-Amal
Die am 16. Juli 2014 in die Wege geleitete Marsmission al-Amal lĂ€uft zwar offiziell unter dem Dach der Raumfahrtbehörde der Emirate, ist aber eine Initiative von Muhammad bin Raschid al-Maktumcite-ref-22[22] und wird auf emiratischer Seite allein vom Muhammad-bin-Raschid-Raumfahrtzentrum durchgefĂŒhrt:cite-ref-glex-23-0[23]cite-ref-24[24]
âą Suhail Buti al-Mheiri, stellvertretender Projektleiter, war 2006 ebenfalls einer der ersten Angestellten des EIAST und ist heute Leiter der Sektion Raumfahrtsysteme am MBRSCcite-ref-angel-27-0[27]
âą Sarah al-Amiri, stellvertretende Projektleiterin und Chefwissenschaftlerin der Mission, begann ihre berufliche Laufbahn 2009 am EIAST als Software-Entwicklerin fĂŒr DubaiSat 1 und DubaiSat 2 und war bis zu ihrem Wechsel ins Kabinett der Vereinigten Arabischen Emirate im Jahr 2017 Leiterin des Drohnenprogramms am MBRSCcite-ref-28[28]cite-ref-29[29]cite-ref-angel-27-1[27]
Hierbei war das Muhammad-bin-Raschid-Raumfahrtzentrum nur fĂŒr die Projektleitung zustĂ€ndig. Die tatsĂ€chliche Entwicklung und der Bau der Sonde fanden wieder im Ausland statt, diesmal am Labor fĂŒr HochatmosphĂ€ren- und Weltraumwetterforschung (Laboratory for Atmospheric and Space Physics) der University of Colorado Boulder, mit UnterstĂŒtzung von Wissenschaftlern des Labors fĂŒr Weltraumwissenschaften (Space Sciences Laboratory) der University of California, Berkeley und des Instituts fĂŒr Erd- und Weltraumforschung (School of Earth and Space Exploration) der Arizona State University.cite-ref-glex-23-1[23]
Ab 2014 arbeiteten 250 amerikanische Techniker und Ingenieure unter der Leitung von Pete Withnell in Boulder zusammen mit einigen dutzend Kollegen aus Dubai an der Sonde.cite-ref-30[30]cite-ref-31[31] Nachdem die Sonde im Dezember 2019 im Labor fĂŒr HochatmosphĂ€renforschung die Temperatur- und Vakuumtests bestanden hatte,cite-ref-32[32]cite-ref-33[33] wurde sie nach Dubai gebracht, um die Kommunikation zwischen Sonde und Kontrollzentrum zu erproben. Diese Kommunikationstests im Muhammad-bin-Raschid-Raumfahrtzentrum sollten an sich bis Mai 2020 dauern. Da man jedoch befĂŒrchtete, dass die Zahl der COVID-19-FĂ€lle in Japan, von wo aus die Sonde gestartet werden sollte, und den Vereinigten Arabischen Emiraten weiter zunehmen könnte, wurde der kombinierte Luft- und Seetransport nach Tanegashima auf die vierte Aprilwoche vorgezogen, bevor alle Tests durchgefĂŒhrt werden konnten.cite-ref-pons-26-1[26]cite-ref-34[34] Die Sonde sollte unbedingt zum 50. Geburtstag der Vereinigten Arabischen Emirate 2021 beim Mars eintreffen, und das nĂ€chste Startfenster ergab sich erst im Jahr 2022. Am 19. Juli 2020 hob die Sonde an Borde einer H-2A-TrĂ€gerrakete von Mitsubishi Heavy Industries vom Tanegashima Space Center ab.cite-ref-35[35] Nach knapp sieben Monaten Flugzeit trat sie am 9. Februar 2021 in eine Umlaufbahn um den Mars ein.
Astronautenprogramm
Das Astronautenprogramm der Vereinigten Arabischen Emirate wurde im April 2017 von Muhammad bin Raschid al-Maktum zusammen mit Muhammad bin Zayid an-Nahyan, damals Kronprinz von Abu Dhabi und stellvertretender Oberbefehlshaber der StreitkrĂ€fte der Vereinigten Arabischen Emirate gegrĂŒndet. Das Ziel war, ein sogenanntes âAstronautenkorpsâ fĂŒr wissenschaftliche Raumfahrtmissionen aufzustellen, wobei dieses nicht unter dem Dach der Raumfahrtbehörde angesiedelt war, sondern der Regulierungsbehörde fĂŒr Telekommunikation unterstellt wurde.cite-ref-36[36]
In der Praxis wird das Astronautenprogramm vom Muhammad-bin-Raschid-Raumfahrtzentrum durchgefĂŒhrt. Nach Bekanntgabe des Programms hatten sich bis MĂ€rz 2018 genau 4022 BĂŒrger der Vereinigten Arabischen Emirate fĂŒr eine Astronautenlaufbahn beworben, 34 % davon Frauen. 22 % der Bewerber waren Piloten, 60 % Wissenschaftler und Ingenieure.cite-ref-business-12-1[12] Aus den 4022 Bewerberinnen und Bewerbern wurden nach Durchsicht der Unterlagen 95 einer nĂ€heren Begutachtung nach medizinischen und psychometrischen Kriterien sowie ihrer beruflichen FĂ€higkeiten unterzogen. Nach dieser Begutachtung, die allein nach Aktenlage erfolgte, wurden 39 Bewerber im Juni 2018 ins MBRSC eingeladen, wo sie von Spezialisten des Raumfahrtzentrums eingehend befragt wurden und sich einer Ă€rztlichen Untersuchung sowie zahlreichen psychologischen Tests zu unterziehen hatten. Am 3. Juli 2018 begann die nĂ€chste Auswahlrunde, mit GesprĂ€chen, an denen nicht nur die Experten des MBRSC teilnahmen, sondern auch Vertreter auslĂ€ndischer Raumfahrtbehörden.
Mittlerweile hatte das Muhammad-bin-Raschid-Raumfahrtzentrum ein Ăbereinkommen mit der russischen Weltraumorganisation Roskosmos unterzeichnet, dass ein Astronaut der Vereinigten Arabischen Emirate an Bord eines Raumschiffs von Typ Sojus MS zur internationalen Raumstation ISS fliegen und dort an wissenschaftlichen Forschungen teilnehmen sollte.cite-ref-37[37] Die internationale Kommission in Dubai wĂ€hlte aus den ursprĂŒnglich 39 Bewerbern zunĂ€chst 18, dann in einer zweiten Runde 9 Kandidaten aus, die an das Juri-Gagarin-Kosmonautentrainingszentrum bei Moskau geschickt wurden, um ĂŒber einen Zeitraum von drei Wochen mittels Zentrifuge, Unterdruckkammer etc. auf ihre tatsĂ€chliche Eignung zum Raumfahrer geprĂŒft zu werden (das MBRSC verfĂŒgt ĂŒber keinerlei weltraummedizinische Einrichtungen).cite-ref-38[38]cite-ref-arabian-39-0[39] Aus diesen neun Kandidaten wurden nun die vier MĂ€nner ausgewĂ€hlt, die das Astronautenkorps der Vereinigten Arabischen Emirate bildeten.cite-ref-business-12-2[12]
Am 3. September 2018 gab Muhammad bin Raschid al-Maktum schlieĂlich bekannt, dass der Kampfpilot Hassa al-Mansuri sowie Sultan an-Nejadi, Informatiker bei den StreitkrĂ€ften der VAE, fĂŒr den Flug zur ISS ausgewĂ€hlt worden seien.cite-ref-40[40] Da fĂŒr die beiden kein AuĂenbordeinsatz vorgesehen war, durchliefen sie ein stark verkĂŒrztes Training â die regulĂ€re Raumfahrerausbildung dauert vier Jahre â und einer von ihnen sollte bereits im April 2019 mit Sojus MS-12 zur ISS fliegen.cite-ref-arabian-39-1[39] Aus technischen GrĂŒnden musste Roskosmos bei der Mannschaftsplanung jedoch umdisponieren. Am 12. April 2019 verkĂŒndete das Muhammad-bin-Raschid-Raumfahrtzentrum, dass es Hassa al-Mansuri fĂŒr das PrimĂ€rteam der Mission Sojus MS-15 ausgewĂ€hlt hatte.cite-ref-41[41] Am 25. September 2019 hob er schlieĂlich als erster BĂŒrger der Vereinigten Arabischen Emirate und nach Sultan bin Salman bin Abdulaziz Al Saud aus Saudi-Arabien 1985 sowie Muhammed Ahmed Faris aus Syrien 1987 als dritter Araber ĂŒberhaupt ins All ab.cite-ref-42[42] Sultan an-Nejadi folgte am 2. MĂ€rz 2023 mit der Mission SpaceX Crew-6 fĂŒr einen sechsmonatigen Aufenthalt auf der ISS. Damit war er der erste Araber auf einer Langzeitmission.cite-ref-43[43]
Bei einer zweiten Rekrutierungsrunde wurden ab Mai 2020 aus 4305 Bewerbern zunĂ€chst nach Aktenlage 122 Kandidaten ausgewĂ€hlt, die ĂŒber Videokonferenz-GesprĂ€che â man befand sich gerade beim ersten Höhepunkt der COVID-19-Pandemie â auf 61 reduziert wurden. Nach weiteren Selektionsrunden blieben schlieĂlich die Maschinenbauingenieurin Nura al-Matruschi und der Polizeipilot Mohammed al-Mulla ĂŒbrig, die in den USA zusammen mit der NASA-Gruppe 23 ausgebildet werden sollen.cite-ref-44[44]
Drohnenprogramm
Anfang 2014 startete das damalige EIAST unter der Leitung der Informatikerin Sarah al-Amiri ein Drohnenprogramm, das sogenannte âAdvanced Aerial Systems Programmeâ. Hierbei griff man auf Airbus Defence and Space und deren mit Strom aus Solarzellen angetriebene Höhenplattform (High Altitude Pseudo Satellite bzw. âHAPSâ) Zephyr 6 zurĂŒck. Ab MĂ€rz 2014 arbeiteten Ingenieure des EIAST zusammen mit ihren Kollegen von Airbus an einem Demonstrationsmodell. Im August jenes Jahres wurden die Komponenten nach Dubai geliefert, wo sie zusammengebaut und getestet wurden. Das 34 kg schwere FluggerĂ€t mit einer Spannweite von 18 m trug als Nutzlast eine Videokamera, die bei einer Flughöhe von 18 km eine Auflösung von 10 cm bot. Am 11. September 2014 um 06:31 wurde das GerĂ€t auf dem Ălfeld Margham im Osten des Emirats gestartet und landete nach 23 Stunden und 47 Minuten ununterbrochenen Flugs am folgenden Tag um 06:18.cite-ref-45[45]
Im September 2014 sprach man davon, dass das EIAST zusammen mit Airbus die nĂ€chste Generation des Zephyr entwickeln und Komponenten dafĂŒr ab 2016 in Dubai hergestellt werden könnten.cite-ref-46[46] Nach der GrĂŒndung des Muhammad-bin-Raschid-Raumfahrtzentrums wurden diese PlĂ€ne jedoch nicht weiter verfolgt; es blieb bei dem einen Prototyp.cite-ref-47[47]
Mondprojekt
Raschid
Am 29. September 2020 verkĂŒndete Muhammad bin Raschid al-Maktum, dass das MBRSC beabsichtigte, einen Mondrover zu bauen. Am 14. MĂ€rz 2021 gab die japanische Firma ispace bekannt, dass sie den Rover mit ihrem Lander Hakuto-R bei der Mission Hakuto-R M1 auf der MondoberflĂ€che absetzen wollte.cite-ref-48[48] Als Landeort war der Atlas-Krater am sĂŒdöstlichen Rand des Mare Frigoris auf der erdzugewandten Seite des Mondes vorgesehen. Der Start der Mission mit einer Rakete vom Typ Falcon 9 der amerikanischen Firma SpaceX erfolgte am 11. Dezember 2022 um 07:38 Uhr UTC,cite-ref-49[49] am 16. Dezember 2022 bestĂ€tigte ispace, dass der Rover den Start gut ĂŒberstanden hatte.cite-ref-50[50] Da nur wenig Treibstoff zur VerfĂŒgung stand, verwendete Hakuto-R eine niederenergetische Transferbahn. Am 21. MĂ€rz 2023 um 01:24 Uhr UTC trat die Sonde schlieĂlich in den Mondorbit ein.cite-ref-51[51] Der Landeversuch am 25. April 2023 scheiterte dann aufgrund von Treibstoffmangel der japanischen Sonde.cite-ref-treib-52-0[52]cite-ref-kaiser-53-0[53]
Der vierrĂ€drige, 10 kg schwere Rover, der nach Raschid bin Said al-Maktum, dem 1990 verstorbenen Vater des Emirs, âRaschidâ genannt wurde, war 53,5 cm lang, 53,85 cm breit und mit voll ausgefahrenem Instrumententurm 84,9 cm hoch. Er wurde mit zwei vom französischen Centre national dâĂ©tudes spatiales zur VerfĂŒgung gestellten Hauptkameras mit einer hohen Auflösung,cite-ref-54[54] einer fĂŒr 3D-Aufnahmen geeigneten plenoptischen Kamera und einer WĂ€rmebildkamera ausgerĂŒstet, dazu noch mit Sensoren, um die Bodenzusammensetzung, Strahlenbelastung sowie die thermischen Eigenschaften des OberflĂ€chenmaterials zu erforschen. Die Stromversorgung des Rovers hĂ€tte ĂŒber an seinen dachartig abgeschrĂ€gten Flanken montierte Solarmodule erfolgen sollen. Er war mit einem Differentialgetriebe ausgestattet, hĂ€tte eine Höchstgeschwindigkeit von 10 cm/s gehabt, Steigungen von bis zu 20° bewĂ€ltigen und Hindernisse von bis zu 10 cm Höhe ĂŒberklettern können.cite-ref-55[55]
Eine Gruppe von Ingenieuren und Wissenschaftlern des Muhammad-bin-Raschid-Raumfahrtzentrums arbeitete seit 2018 am Konzept des Rovers,cite-ref-nature-56-0[56] das 2021 fertig ausgearbeitet war. AnschlieĂend wurden, Ă€hnlich wie beim Drohnenprogramm, die aus dem Ausland gelieferten Komponenten in Dubai zu einem Prototyp zusammengebaut, laut Muhammad bin Raschid nur von emiratischen Ingenieuren. Im Sommer 2021 wurde der Prototyp getestet.cite-ref-oktober-57-0[57] Im April 2022 wurde der fĂŒr den Einsatz bestimmte Rover im Kompetenzzentrum fĂŒr orbitale Raumfahrtantriebe der ArianeGroup, Lampoldshausen, in den japanischen Lander eingebaut.cite-ref-58[58] Der Schwerpunkt der AktivitĂ€ten auf dem Mond hĂ€tte bei der Fotografie liegen sollen. Das Muhammad-bin-Raschid-Raumfahrtzentrum hatte gehofft, dass der Rover wĂ€hrend der fĂŒr einen Mondtag (14 Erdtage) angesetzten Missioncite-ref-nature-56-1[56] mindestens 1000 Bilder zur Erde funken könnte, beginnend mit der Landung bei Sonnenaufgang, SelbstportrĂ€ts, Aufnahmen von der MondoberflĂ€che und der vom Mond aus gesehenen Erde sowie WĂ€rmebilder.cite-ref-wam-59-0[59] Daneben sollte aber mittels einer Langmuir-Sonde auch der photoelektrische Effekt auf der MondoberflĂ€che studiert werden, der fĂŒr das Aufsteigen von Staubpartikeln verantwortlich ist, sowie die EmpfĂ€nglichkeit verschiedener Materialien fĂŒr Staubablagerungen.cite-ref-60[60]
Raschid 2
Am 16. September 2022 unterzeichneten Salem Humaid al-Marri, der Generaldirektor des Muhammad-bin-Raschid-Raumfahrtzentrums, und Wu Yanhua, der stellvertretende Direktor der Nationalen Raumfahrtbehörde Chinas, in den RĂ€umlichkeiten des Muhammad-bin-Rashid-Zentrums und in Anwesenheit von Zhang Yiming (ćŒ çæ, * 1969), seit Ende Mai 2022 chinesischer Botschafter in den Vereinigten Arabischen Emiraten,cite-ref-61[61] sowie Yousuf Hamad asch-Schaibani, dem stellvertretenden Vorsitzenden des Direktorats des Raumfahrtzentrums,cite-ref-62[62] eine Ăbereinkunft, gemÀà der die Nationale Raumfahrtbehörde fĂŒr das Muhammad-bin-Rashid-Zentrum mit dem Lander von Changâe 7 neben dem eigentlichen, sehr komplexen Missionsrover den zusĂ€tzlichen, in den Emiraten zu entwickelnden Kleinrover Raschid 2 auf den Mond transportieren wird.cite-ref-rover2-17-1[17]cite-ref-63[63] Aus diesem Grund wurde die ursprĂŒnglich fĂŒr 2024 angesetzte Mission, bei der eine Landung am inneren Ring des SĂŒdpol-Aitken-Beckens auf der erdabgewandten Seite des Mondes vorgesehen ist,cite-ref-nutzla-64-0[64] auf Ende 2026 verschoben.cite-ref-65[65]cite-ref-66[66]
Die Landestelle der Mission liegt bei gut 85° sĂŒdlicher Breite auf einer kleinen Hochebene.cite-ref-nutzla-64-1[64] WĂ€hrend des Polarsommers herrscht dort stĂ€ndig Sonnenlicht, der Einfallswinkel der Sonnenstrahlen betrĂ€gt aufgrund der PolnĂ€he jedoch nur 1° â 4°. Daher ist Raschid 2 etwas anders konstruiert als der erste Rover. Die Solarmodule sind nun nicht mehr schrĂ€g an den Seiten des Fahrzeugs angebracht, sondern senkrecht. AuĂerdem lĂ€uft das GehĂ€use vorne spitz zu und ist auch an diesen, senkrechten FlĂ€chen mit Solarzellen besetzt. Dadurch ist immer eine ausreichende Stromversorgung sichergestellt, unabhĂ€ngig davon, in welchem Winkel zur Sonne der Rover fĂ€hrt.cite-ref-67[67]
Die Entwicklung des Rovers soll zwar in den Vereinigten Arabischen Emiraten stattfinden, da es jedoch nötig ist, einen zusĂ€tzlichen Absetzmechanismus fĂŒr ihn zu konstruieren â Raschid 2 besitzt eine wesentlich geringere Spurbreite als der Hauptrover der Mission â und auĂerdem die Fixierung des Rovers wĂ€hrend des Fluges, das Funkprotokoll etc. geregelt werden muss, wird eine emiratisch-chinesische Kooperationsgruppe aufgestellt.cite-ref-nutzla-64-2[64] Anders als bei Raschidcite-ref-68[68] entstehen dem Muhammad-bin-Raschid-Raumfahrtzentrum bei Raschid 2 keine Kosten fĂŒr den Transport zum Mond. Die Kosten fĂŒr die Betreuung des Rovers auf der MondoberflĂ€che hat jedoch die emiratische Seite zu tragen; fĂŒr den ersten Raschid-Rover wurde am Sitz des Raumfahrtzentrums bereits ein neues Kontrollzentrum eingerichtet.cite-ref-raschi-69-0[69] Die von dem Kleinrover ermittelten Nutzlastdaten sind der Ăffentlichkeit zur VerfĂŒgung zu stellen.cite-ref-cnsa-70-0[70]
Da Raschid 2, wie Raschid 1, aus importierten Komponenten zusammengebaut werden soll, kam das Projekt im MÀrz 2023 in Konflikt mit den International Traffic in Arms Regulations der USA, die eine Mitnahme amerikanischer Technologie auf chinesischen Raketen erschweren.cite-ref-71[71] Ohne auf alternative Lösungen wie den Bau des Rovers aus chinesischen Komponenten oder die Wahl einer anderen Transportmethode nÀher einzugehen, bestÀtigte Muhammad bin Raschid al-Maktum am 26. April 2023, einen Tag nach dem Scheitern der japanischen Mission, dass der Rover in jedem Fall zum Mond geschickt werden sollte.cite-ref-72[72]
Asteroidenmission
Am 5. Oktober 2021 kĂŒndigte Muhammad bin Raschid al-Maktum an, dass die Vereinigten Arabischen Emirate eine Sonde zur Venus und zum AsteroidengĂŒrtel schicken wollten. Sarah al-Amiri, Leiterin der Raumfahrtbehörde der Emirate, erlĂ€uterte, dass die Sonde 2028 starten sollte. Mitte 2028 soll sie an der Venus vorbeifliegen, dabei beschleunigen und wieder zur Erde zurĂŒckfliegen. Nach einem weiteren Swing-by-Manöver an der Erde soll die Sonde 2030 den AsteroidengĂŒrtel jenseits der Marsbahn erreichen.cite-ref-73[73]cite-ref-74[74] Dort soll sie sieben Asteroiden beobachten und schlieĂlich im Mai 2035 bei dem letzten davon einen unter Beteiligung zweier emiratischer Firmen gebauten Lander aussetzen.cite-ref-75[75] Wie bei der Marssonde al-Amal will man bei dem Projekt mit dem Labor fĂŒr HochatmosphĂ€ren- und Weltraumwetterforschung der University of Colorado zusammenarbeiten.cite-ref-76[76]
Weblinks
âą Website des MBRSC (englisch/arabisch)
Einzelnachweise
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25.22594455.465247coordinatesKoordinaten: 25° 13âČ 33,4âł N, 55° 27âČ 54,9âł O